
Was bringt ein Geschichtsstudium? Die Frage hinter der Frage
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Die Mitte des Dreizehnjährigen Krieges gehört zu den am schlechtesten erzählten Abschnitten der preußischen Geschichte. Das liegt nicht an einem Mangel an Ereignissen, sondern an einem Mangel an Entscheidungen. Zwischen dem Fall der Marienburg 1457 und der Schlacht bei Schwetzin 1462 gewinnt keine Seite den Krieg — und genau deshalb überspringen die Überblicksdarstellungen diese Jahre gern.
Dieser Beitrag argumentiert, dass gerade in diesen Jahren sichtbar wird, was den Krieg tatsächlich bewegt hat. Nicht Feldschlachten. Sondern die Frage, wer seine Truppen bezahlen konnte — und was beide Seiten dafür herzugeben bereit waren.
Als Video: Die erzählerische Fassung dieses Themas erscheint als Folge 2 der Ordens-Miniserie auf @preussenblog. Sie enthält die vollständige Darstellung samt Kritischer Rückschau.
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Mehr InformationenDie Lage nach 1457
Der Hochmeister Ludwig von Erlichshausen verlegte seinen Sitz nach Königsberg, das seit 1455 wieder in der Hand des Ordens war. Die Marienburg selbst war nicht erobert, sondern verkauft worden: Unbezahlte Söldner hatten sie als Pfand für ausstehenden Sold gehalten und schließlich an die polnische Seite abgegeben. Der zugrundeliegende Vertrag stammt vom August 1456, vollzogen wurde er 1457.
Die Stadt Marienburg war davon zunächst nicht betroffen. Noch im Herbst 1457 nahm der Orden sie zurück; Bernhard von Zinnenberg gewann Kulm. Erst im August 1460 konnten polnische und Danziger Verbände gemeinsam die Stadt zurückgewinnen.
Für die dazwischenliegenden Jahre verzeichnen die Darstellungen wenig. Als wesentlicher Erfolg der polnischen Seite gilt ein Waffenstillstand mit Christian von Dänemark für die Jahre 1459 bis 1462, zustande gekommen unter Vermittlung Lübecks und begünstigt durch die Tätigkeit Danziger Kaperschiffe.
Grundlage: Biskup/Labuda, Kap. III; ergänzend Sarnowsky, Kap. III.
Womit der Krieg bezahlt wurde
Beide Seiten führten den Krieg überwiegend mit angeworbenen Truppen. Deren Sold überstieg auf Dauer die verfügbaren Einkünfte — und die Art, wie beide Seiten damit umgingen, prägte den Kriegsverlauf stärker als die wenigen Feldschlachten.
Auf Seiten des Ordens waren die Einkünfte aus dem Land nach dem Abfall der Untertanen weitgehend weggebrochen; die Edelmetallvorräte waren verloren oder verbraucht. Wo Zahlungen ausblieben, überließ der Orden den Söldnern die von ihnen besetzten Burgen einschließlich des Rechts, sie zu verpfänden oder zu verkaufen. Auf diesem Weg gelangten mehrere Festungen an die polnische Seite. Bereits im Oktober 1454 war die Marienburg als Sicherheit für ausstehenden Sold verpfändet worden.
Der größte Einzelvorgang dieser Art betraf ein Gebiet außerhalb Preußens. Die Neumark war seit 1402 pfandweise beim Orden. Im Februar 1454 ging sie — mit Ausnahme von Schivelbein und Driesen — für 40.000 rheinische Gulden als Pfand an Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg. Im Vertrag von Mewe vom 19. September 1455 erwarb der Kurfürst das volle Erbrecht auf die ganze Neumark, nun einschließlich Schivelbein und Driesen; als Gegenleistung sicherte er den Durchzug für Hilfstruppen des Ordens und wohlwollende Neutralität gegenüber Polen zu. Ein vorbehaltenes Rückkaufsrecht über 100.000 rheinische Gulden wurde nie eingelöst. Sarnowsky bringt den Vorgang ausdrücklich mit der Unterhaltung der Söldnerheere in Verbindung.
Auf polnischer Seite wurde der Krieg unter anderem über Zugeständnisse an die preußischen Städte finanziert. Danzig erhielt bereits im Juni 1454 ein erstes königliches Privileg, weitere folgten, auch für Thorn und Elbing: innere Freiheiten, Handelsrechte, Bestätigungen. Biskup weist darauf hin, dass diese Privilegien die Bedingungen abschwächten, unter denen Preußen 1454 an die polnische Krone gekommen war.
Grundlage: Biskup/Labuda, Kap. III; Sarnowsky, Kap. III.
Der Vormarsch des Ordens 1460/61
Mit Unterstützung aus dem Reich ging der Orden 1460 in die Offensive und stieß in das nördliche Pommerellen vor. Putzig fiel. Lauenburg und Bütow gingen durch den Seitenwechsel Herzog Erichs II. an den Orden über, dem beide Orte zuvor zu treuen Händen übergeben worden waren. Damit stand der Orden unmittelbar vor Danzig.
An der Weichsel fielen Neuenburg und die Burg Schwetz, im Kulmerland Golub und Strasburg. Im preußischen Niederland brach der Orden die letzten Reste des polnischen Widerstands. Im Ermland übernahm Bischof Paul von Legendorf die Herrschaft und vertrieb die meisten polnischen Besatzungen, obwohl er sich neutral verhalten sollte.
König Kasimir war in dieser Zeit politisch eingeschränkt: im Inneren durch die Opposition der kleinpolnischen Magnaten, nach außen durch Papst Pius II., der den Orden zu schützen suchte.
Grundlage: Biskup/Labuda, Kap. III.
Die Umstellung der polnischen Kriegführung
Im Spätsommer 1461 zog das allgemeine Aufgebot ein letztes Mal aus. Der Zug ging in das Schlochauer Land und das südliche Pommerellen und endete ohne Erfolg. Danach berief der König kein allgemeines Aufgebot mehr ein.
Stattdessen brachte er die Magnatenopposition unter Kontrolle, sammelte Finanzmittel und entlohnte davon ein stehendes Söldnerheer. Ende 1461 ging dieses Heer unter Führung Piotr Dunins, des Unterkämmerers von Sandomir, nach Preußen.
Der Unterschied zur bisherigen Kriegführung war erheblich. Das Aufgebot bestand aus einberufenen Bewaffneten, die nur begrenzt geübt und schwer zu führen waren; die Niederlage bei Konitz 1454 hatte das deutlich gemacht. Ein stehendes Heer aus bezahlten Berufskriegern stand dauerhaft zur Verfügung und konnte planmäßig eingesetzt werden.
Grundlage: Biskup/Labuda, Kap. III.
Die Schlacht bei Schwetzin, 17. September 1462
Das Jahr 1462 begann mit dem Verlust Strasburgs, das von Zinnenberg besetzt wurde.
Am 17. September 1462 trafen die Truppen Dunins und ein Danziger Aufgebot bei Schwetzin (polnisch Świecino) in der Nähe des Klosters Zarnowitz (polnisch Żarnowiec) auf Söldner des Ordens unter Fritz von Raveneck. Die Schlacht endete mit einem Sieg der polnisch-preußischen Seite; Raveneck fiel auf dem Feld.
Der unmittelbare Ertrag lag nicht in einem Landgewinn, sondern in der Entlastung Danzigs von dem Druck, der seit 1460 auf der Stadt gelastet hatte. Im selben Jahr begann Georg von Podiebrad, der böhmische König, die polnische Seite zu unterstützen; der Zustrom böhmischer Söldner zum Orden ging daraufhin zurück.
Der Krieg dauerte noch bis zum Zweiten Thorner Frieden vom 19. Oktober 1466.
Grundlage: Biskup/Labuda, Kap. III.
Chronologie 1457–1462
Die folgende Übersicht ist nach der Fragestellung dieses Beitrags zusammengestellt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
| Datum | Vorgang |
|---|---|
| August 1456 | Vertrag über die Übergabe der Marienburg und weiterer Orte |
| Sommer 1457 | Einzug König Kasimirs IV. in die Marienburg; der Hochmeister geht nach Königsberg |
| Ende Sept. / Okt. 1457 | Der Orden erobert die Stadt Marienburg zurück; Zinnenberg nimmt Kulm |
| 1459–1462 | Waffenstillstand mit Christian von Dänemark |
| August 1460 | Rückgewinnung der Stadt Marienburg durch polnische und Danziger Verbände |
| 1460–1461 | Ordensoffensive: Putzig, Lauenburg, Bütow, Neuenburg, Schwetz, Golub, Strasburg |
| um 1460/61 | Paul von Legendorf übernimmt die Herrschaft im Ermland |
| Spätsommer 1461 | Letzter Zug des allgemeinen Aufgebots ins Schlochauer Land |
| Ende 1461 | Aufstellung eines stehenden Söldnerheeres unter Piotr Dunin |
| Anfang 1462 | Verlust Strasburgs |
| 17. September 1462 | Schlacht bei Schwetzin; Fritz von Raveneck fällt |
| seit 1462 | Unterstützung Polens durch Georg von Podiebrad |
| 19. Oktober 1466 | Zweiter Thorner Frieden |
Häufige Fragen
Warum dauerte der Dreizehnjährige Krieg so lange? Weil keine Seite über die Mittel verfügte, ihn zu entscheiden. Beide führten ihn überwiegend mit angeworbenen Truppen, deren Sold die eigenen Einkünfte überstieg. Der Orden gab dafür Burgen und Land ab, die polnische Seite Privilegien an die preußischen Städte.
Wurde die Marienburg erobert? Nein, sie wurde verkauft. Unbezahlte Söldner hielten sie als Pfand für ausstehenden Sold; nach dem Scheitern der Zahlungen ging sie an die polnische Seite über. Der Vertrag stammt vom August 1456, vollzogen wurde er 1457. Die Stadt Marienburg wechselte erst im August 1460 endgültig den Herrn.
Was war die Bedeutung der Schlacht bei Schwetzin? Sie entlastete Danzig von militärischem Druck und schwächte den Zustrom böhmischer Söldner zum Orden. Beendet war der Krieg damit nicht; er dauerte bis 1466.
Wer war Piotr Dunin? Unterkämmerer von Sandomir und Befehlshaber des stehenden Söldnerheeres, das König Kasimir IV. Ende 1461 nach Preußen entsandte. Unter seiner Führung errang die polnisch-preußische Seite den Sieg bei Schwetzin.
Wie kam die Neumark an Brandenburg? In zwei Schritten: 1454 als Pfand für 40.000 rheinische Gulden, 1455 im Vertrag von Mewe als vollständiges Erbrecht. Ein Rückkaufsrecht über 100.000 rheinische Gulden wurde vereinbart, aber nie eingelöst.
Verwendete Literatur
- Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden. München: C.H. Beck 2007 (Beck’sche Reihe Wissen).
- Biskup, Marian / Labuda, Gerard: Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen. Wirtschaft – Gesellschaft – Staat – Ideologie. Aus dem Polnischen von Jürgen Heyde und Ulrich Kodur. Osnabrück: fibre 2000 (Klio in Polen 6).
- Boockmann, Hartmut: Der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte. München: C.H. Beck.
KardiKassin
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