Kardi Kassin
Meine Geschichte
Kardi Kassin
Wer bin ich? Jemand, der fragt. Immer weiter fragt...
Willkommen auf meiner Seite. Schön, dass du hier bist.
Ich studiere Geschichte und Religionswissenschaft – und ja, das klingt nach viel. Aber es ist eigentlich nur die logische Fortsetzung einer Suche, die viel früher begann.
Eigentlich war mein Weg erstmal ein anderer: Ich habe mit einem Grundstudium der Rechtswissenschaften angefangen. Wäre Corona nicht gewesen, wäre ich wohl den klassischen Weg weitergegangen – und hätte mich nie mit dem beschäftigt, was mich ohnehin schon immer umtrieb: die Kolonialgeschichte Afrikas. Als Afrodeutsche wurde mir über die Geschichte dieses Kontinents, über die Verflechtungen mit Deutschland, so gut wie nichts mitgegeben. Nicht in der Familie, nicht in der Schule.
Ein Schlüsselmoment in meiner Abiturphase sitzt tief: Mein Geschichtslehrer sagte, Kolonialgeschichte sei nicht im Lehrplan vorgesehen. Punkt. Das war’s.
Durch einen Zufall erfuhr ich dann doch, dass es einen Studiengang gab, der genau solche Themen behandelte. Also wechselte ich nach meinem Grundstudium der Rechtswissenschaften zur Afrikanistik. Endlich konnte ich eintauchen in die Geschichte eines Kontinents, der in unseren Lehrbüchern meist nur als Fußnote vorkommt.
Die Gesellschaft, in der wir leben, treibt einen als Afrodeutschen unweigerlich dazu, den „afrikanischen“ Teil besser verstehen zu wollen. Die Fragen kommen von außen: „Woher kommst du wirklich?“ – und irgendwann stellt man sie sich selbst. Aber je länger ich suchte, desto klarer wurde mir: Warum eigentlich nur den einen Teil? Warum nicht auch den deutschen?
Denn auf der anderen Seite meiner Familie gab es auch Geschichten. Mein Urgroßvater hatte jahrelang Ahnenforschung betrieben. Als Teenager hat er mir viel über Geschichte und die Vergangenheit Deutschlands erzählt – über Preußen, über Kriege, über das, was war. Aber damals? Gnaz ehrlich? Kein Interesse. Teenager haben wenig übrig für „Uropas Erzählungen“. Heute würde ich ihm gerne zuhören. Heute würde ich fragen. Aber er ist nicht mehr da. Und ich sitze da mit all den Geschichten, die ich nicht gehört habe – und dem brennenden Wunsch, sie trotzdem zu finden.
Je tiefer ich in die Afrikanistik eintauchte, desto mehr merkte ich: Auch hier bleiben Fragen offen. Ich stieß auf so vieles, das mich staunen ließ – und zugleich wütend machte, weil es nicht zum Grundwissenschatz eines jeden Deutschen gehört. Und immer deutlicher wurde: Religion spielt eine entscheidende Rolle dabei, die Welt so zu formen, wie sie heute ist. Also fing ich an, neben der Arbeit auch noch Religionswissenschaft zu studieren.
Vier Fächer also – Rechtswissenschaft, Afrikanistik, Geschichte, Religionswissenschaft. Auf den ersten Blick weit auseinanderliegend. Und doch kreisen sie alle um dieselbe Frage: Wie werden Menschen, Gesellschaften und Staaten zu dem, was sie sind?
Die Rechtswissenschaft gab mir das Handwerkszeug, um Strukturen zu verstehen – Gesetze, Verfassungen, Ordnungen. Aber mir fehlte etwas. Die Perspektive. Die Frage nach denen, die in diesen Ordnungen nicht vorkamen…
Ich denke am Ende geht es nicht nur darum, den einen Teil zu begreifen, den die Gesellschaft von mir erwartet. Es geht darum, beide Teile zu verstehen – und damit vielleicht auch mich selbst…
Dieser Blog ist der Ort, an dem all diese Fragen zusammenlaufen …
