Kap Verde erhöht Mindestlohn im Privatsektor auf 17.000 CVE

Zum Jahresbeginn 2025 trat in Kap Verde eine bedeutende Änderung in Kraft, die tausende Arbeitnehmer im privaten Sektor betrifft. Der Mindestlohn wurde landesweit von 15.000 CVE (Kap-Verde-Escudo) auf 17.000 CVE pro Monat angehoben. Diese Entscheidung hat sowohl Lob als auch Herausforderungen ausgelöst und wirft Fragen zur zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Inselstaates auf. Im Folgenden wird beleuchtet, was diese Veränderung für verschiedene Akteure bedeuten könnte – von den Arbeitnehmern über die Unternehmen bis hin zur Regierung – und welche Implikationen sich für die Gesamtwirtschaft ergeben.

Die Entscheidung im Überblick

Die Anhebung des Mindestlohns ist das Ergebnis kontinuierlicher politischer Gespräche und Verhandlungen zwischen der Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden. Die Erhöhung um 2.000 CVE entspricht etwa einem Zuwachs von 13,3 Prozent. Die neue Regelung wurde vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten und einer allgemeinen Nachfrage nach verbessertem sozialen Schutz für die arbeitende Bevölkerung eingeführt.

Für die Regierung handelt es sich um einen strategischen Schritt, der darauf abzielt, die Lebensbedingungen vieler Bürger zu verbessern und gleichzeitig soziale Ungleichheit zu verringern. Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, João da Silva Barros, erklärte in einer öffentlichen Ansprache, dass diese Maßnahme „der erste Schritt in einer Reihe von Reformen sei, die dazu dienen, den kap-verdischen Arbeitsmarkt gerechter zu gestalten“. Barros betonte zudem, dass die Entscheidung nach ausgiebigen Studien über die wirtschaftlichen Auswirkungen gefällt wurde.

Auswirkungen auf Arbeitnehmer

Für die Arbeitnehmer bedeutet die Lohnerhöhung eine längst erhoffte Erleichterung. Viele Berufstätige, insbesondere in niedrig bezahlten Branchen wie dem Einzelhandel, der Landwirtschaft und der Gastronomie, haben unter steigenden Lebenshaltungskosten gelitten. Die Erhöhung verschafft diesen Gruppen ein höheres verfügbares Einkommen, was es ihnen ermöglicht, besser für ihre Grundbedürfnisse aufzukommen.

Maria Lopes, Angestellte in einem Hotel in Praia, äußerte sich optimistisch über die Neuerung. „Das zusätzliche Geld wird meiner Familie helfen, die gestiegenen Preise für Lebensmittel und andere Notwendigkeiten auszugleichen“, sagte sie. Gleichzeitig räumte sie ein, dass die Inflation weiterhin eine Herausforderung darstelle und langfristige Lösungen erforderlich seien.

Perspektive der Unternehmer

Während die Arbeitnehmer in der Regel von der Entscheidung profitieren, sehen einige Unternehmer der Veränderung mit gemischten Gefühlen entgegen. Besonders in kleinen oder mittleren Unternehmen (KMUs), die einen großen Teil der kap-verdischen Wirtschaft ausmachen, könnte der erhöhte Mindestlohn eine zusätzliche finanzielle Belastung darstellen. Viele dieser Betriebe operieren mit engen Gewinnmargen und sehen sich nun gezwungen, ihre Gehaltsstrukturen anzupassen.

„Ich verstehe, dass die Lebenshaltungskosten steigen und die Menschen ein menschenwürdiges Einkommen verdienen, aber für ein kleines Unternehmen wie meines ist das eine große Herausforderung“, so Joaquim Pereira, Eigentümer eines kleinen Handwerksbetriebs in Mindelo. Pereira sieht die Möglichkeit, dass manche Unternehmen – speziell in arbeitsintensiven Branchen – Kosten durch reduzierte Arbeitsstunden oder gar Personalabbau einzusparen versuchen könnten.

Blick auf die Wirtschaft

Auf volkswirtschaftlicher Ebene könnte die Lohnerhöhung sowohl positive als auch negative Effekte haben. Befürworter argumentieren, dass höhere Löhne die Kaufkraft der privaten Haushalte stärken und damit das Konsumniveau ankurbeln, was letztendlich das Wirtschaftswachstum fördern könnte. Insbesondere in einer konsumgetriebenen Wirtschaft wie Kap Verde, deren Markt klein und stark auf lokale Nachfrage ausgerichtet ist, könnte dies ein entscheidender Vorteil sein.

Andererseits könnten die höheren Löhne, wenn sie nicht durch Produktivitätssteigerungen ausgeglichen werden, zu steigenden Produktionskosten führen. Manche Experten warnen davor, dass dies möglicherweise die Wettbewerbsfähigkeit kap-verdischer Unternehmen beeinträchtigen könnte, insbesondere in exportorientierten Branchen wie der Fischerei oder im Tourismussektor.

Historischer Kontext und Langzeitperspektive

Kap Verde hat in den letzten Jahren wiederholt Anpassungen der Löhne und Sozialleistungen vorgenommen, um den wirtschaftlichen und sozialen Realitäten des Landes gerecht zu werden. Die vorherige Erhöhung des Mindestlohns erfolgte 2020, als er von 13.000 CVE auf 15.000 CVE angehoben wurde. Dieses Muster spiegelt den Ansatz der Regierung wider, schrittweise Reformen einzuführen, die sowohl soziale als auch wirtschaftliche Ziele in Einklang bringen sollen.

Langfristig bleibt die Entwicklung der Produktivität ein kritischer Faktor. Ohne entsprechende Investitionen in Schulungen, Technologie und Infrastruktur könnte die Belastung durch steigende Löhne die gewünschten positiven Effekte abschwächen.

Herausforderungen und Chancen

Die Diskussion um den Mindestlohn in Kap Verde zeigt, wie komplex und vielschichtig wirtschaftspolitische Entscheidungen sein können. Einerseits signalisiert die neue Regelung Fortschritt und soziale Verantwortung. Andererseits bestehen Unsicherheiten, was die tatsächliche Umsetzung und die langfristigen Auswirkungen betrifft. Die Regierung steht vor der Aufgabe, die Maßnahmen durch ergänzende wirtschaftspolitische Programme zu flankieren – etwa durch Initiativen zur Förderung von KMUs, Steuererleichterungen oder zielgerichtete Subventionen.

Fazit

Die Erhöhung des Mindestlohns in Kap Verde ist ein bemerkenswerter Schritt, der das Potenzial hat, unzähligen Arbeitnehmern ein besseres Leben zu ermöglichen und gleichzeitig die soziale Ungleichheit zu verringern. Doch mit dieser Maßnahme kommen auch Herausforderungen, insbesondere für Unternehmen, die ihre Kosten und Effizienz neu justieren müssen. Entscheidend wird sein, wie die Regierung und die beteiligten Akteure gemeinsam daran arbeiten, eine Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und sozialer Gerechtigkeit zu schaffen. Die kommenden Monate und Jahre werden zeigen, ob die Lohnerhöhung der erste Meilenstein einer breiteren positiven wirtschaftlichen Transformation des Landes ist.

Quellen: 

https://wageindicator.org/salary/minimum-wage/minimum-wages-news/2025/minimum-wage-updated-in-cape-verde-from-01-january-2025-january-01-2025

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Ich bin Studentin und eine Reisende. Ich durchstreife Afrika, um seine Gesellschaft, Landschaft und Geschichte zu erkunden. Mit meinen Kindergeschichten entführe ich junge Leser in die faszinierende Welt dieses facettenreichen Kontinents. So kann ich sie nicht nur früh für seine Schönheit und Komplexität begeistern, sondern auch tatsächliche Gegebenheiten vermitteln …