ECOWAS Kritik – Warum die Gemeinschaft in Mali, Burkina Faso und Niger auf Ablehnung stößt

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) wird oft als eine Plattform gefeiert, die Frieden, Stabilität und wirtschaftliche Integration in der Region fördern soll. Doch nicht alle Länder der Region sehen diese Gemeinschaft positiv. Besonders in Mali, Burkina Faso und Niger stößt ECOWAS zunehmend auf Kritik. Warum haben diese Länder ihre Unterstützung für die Organisation zurückgezogen? Was sind die Ursachen der Spannungen? Ein kritischer Blick zeigt, dass hinter der Fassade der Zusammenarbeit grundlegende Probleme und wachsende Unzufriedenheit lauern.

Politische Spannungen und der Vorwurf der Parteilichkeit

Einer der zentralen Streitpunkte ist die Wahrnehmung von ECOWAS als „Werkzeug“ für externe politische Interessen. Mali, Burkina Faso und Niger – allesamt Länder, die in den letzten Jahren Militärputsche erlebt haben – werfen der Organisation vor, nicht neutral zu handeln. ECOWAS reagierte auf diese Machtübernahmen mit Sanktionen, um den politischen Druck auf die neuen Militärregierungen zu erhöhen. Während dies von ECOWAS als Mittel zum Schutz der Demokratie dargestellt wird, sehen viele Bürger und Politiker dieser Länder die Sanktionen als Strafmaßnahmen, die vor allem das Volk treffen.

Beispiele:

  • Nach dem Putsch in Mali 2021 verhängte ECOWAS unter anderem Handelssanktionen und schloss das Land von Finanzgeschäften aus. Die wirtschaftlichen Folgen trafen jedoch nicht die politischen Akteure, sondern die Bevölkerung, die ohnehin schon unter Armut leidet.
  • Ähnlich wurde auch gegen Burkina Faso und Niger vorgegangen, wobei Kritiker betonen, dass ECOWAS dabei oft die komplexen internen Probleme der Länder ignoriert.

Viele Menschen in diesen Ländern empfinden ECOWAS daher nicht als Vermittler, sondern als Organ, das eher die Interessen von mächtigeren Mitgliedsstaaten wie Nigeria oder externen Partnern wie der EU und den USA durchsetzt. Besonders nach den Militärputschen wuchs der Eindruck, ECOWAS arbeite gegen die neuen Machthaber, statt die Wurzeln der Instabilität – Korruption, Armut und Unsicherheit – anzugehen.

Ecowas Kritik: Wirtschaftliche Ungleichheit und fehlender Nutzen

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt ist der mangelnde wirtschaftliche Nutzen, den viele Mitgliedsstaaten, insbesondere ärmere wie Burkina Faso oder Niger, aus der ECOWAS-Mitgliedschaft ziehen. Während die Organisation ehrgeizige Ziele wie eine einheitliche Währung oder den Abbau von Handelshemmnissen verfolgt, bleiben diese Pläne meist in der Theorie stecken. Die wirtschaftliche Realität sieht anders aus:

  • Staaten wie Niger oder Burkina Faso haben keine nennenswerte Exportwirtschaft, die von solchen Freihandelsabkommen profitieren könnte.
  • Gleichzeitig leiden sie unter einer schwachen Infrastruktur, die eine Integration in regionale Märkte erschwert.

Ein Beispiel für die Diskrepanz ist das Vorhaben der gemeinsamen Währung „Eco“, das seit Jahren nicht umgesetzt wird. Viele kleinere Staaten sehen den dominierenden Einfluss Nigerias und anderer stärkerer Volkswirtschaften als Hindernis für eine gerechte Verteilung der wirtschaftlichen Gewinne.

Gepaart mit den Sanktionen, die oft den Handel blockieren, fragen sich viele Menschen in Mali, Burkina Faso und Niger, welchen Mehrwert ECOWAS für sie tatsächlich hat. Für viele erscheint die Mitgliedschaft eher als Belastung denn als Heilsbringer.

Sicherheitskrisen und die Rolle von ECOWAS

Ein besonders brisantes Thema ist die Sicherheitslage in der Sahelregion, die von islamistischem Terrorismus und weit verbreiteter Instabilität geprägt ist. Länder wie Mali, Burkina Faso und Niger kämpfen seit Jahren gegen Gruppen wie Boko Haram und den Islamischen Staat in der Sahelzone. Kritiker argumentieren, dass ECOWAS eine ineffektive Rolle im Kampf gegen den Terrorismus spielt, obwohl Sicherheit eines der Hauptziele der Gemeinschaft ist.

Statt langfristige Lösungen zu fördern, hat ECOWAS häufig auf kurzfristige Strategien wie Sanktionen oder militärische Interventionen gesetzt. Eine besonders kontroverse Maßnahme war die angedrohte Militärintervention in Niger 2023, nach dem dort ein weiterer Putsch stattgefunden hatte. Viele Menschen empfanden diesen Ansatz als aggressiv und kontraproduktiv, da er das Risiko eines umfangreicheren Konflikts in der Region erhöhte. Zudem wirkt der Fokus von ECOWAS auf politische Sanktionen oft fehlgeleitet, da die eigentlichen Sicherheitsprobleme in der Region – Armut, Klimawandel und schwache staatliche Strukturen – kaum angesprochen werden.

Wahrnehmung in der Bevölkerung

Die Kritik an ECOWAS beschränkt sich nicht auf die Regierungen dieser Länder. Auch zahlreiche Einzelpersonen und Bewegungen vor Ort lehnen die Organisation inzwischen ab. Proteste gegen die Sanktionen und die als einseitig wahrgenommene Politik der Gemeinschaft sind keine Seltenheit. Insbesondere in Mali gab es wiederholt Demonstrationen, bei denen ECOWAS als „unverhältnismäßige Marionette ausländischer Interessengruppen“ beschrieben wurde.

Die öffentliche Meinung wird nicht zuletzt durch die wachsende Präsenz ausländischer Akteure beeinflusst. Länder wie Russland, insbesondere durch die Wagner-Gruppe in Mali, gewinnen in dieser Region zunehmend an Einfluss. Kritiker werfen ECOWAS vor, diesem Trend nicht entgegenzuwirken, sondern stattdessen politischen Druck auszuüben, der die Distanz zwischen der Organisation und den Mitgliedsländern vergrößert.

Ecowas Kritik: Schlussfolgerung

ECOWAS steht in Staaten wie Mali, Burkina Faso und Niger vor einer massiven Legitimationskrise. Kritikpunkte wie die Wahrnehmung von Parteilichkeit, ineffektive Sicherheitsstrategien und ein fehlender wirtschaftlicher Mehrwert haben das Vertrauen in die Organisation schwer erschüttert. Die jüngsten Austritte dieser Länder verdeutlichen, dass ECOWAS sich reformieren muss, um nicht weiter an Einfluss zu verlieren.

Die Gemeinschaft muss dringend Wege finden, um glaubwürdig, unparteiisch und nachhaltig zu agieren. Ohne eine Neuausrichtung droht ECOWAS, sich selbst zu entmachten – und damit eine ihrer größten Stärken, die regionale Integration in Westafrika, dauerhaft zu gefährden. Doch ob die Organisation in der Lage ist, diese Herausforderungen zu meistern, bleibt ungewiss.

Afrika ist mehr, als uns die westliche Welt zu verkaufen versucht...

Ich bin Studentin und eine Reisende. Ich durchstreife Afrika, um seine Gesellschaft, Landschaft und Geschichte zu erkunden. Mit meinen Kindergeschichten entführe ich junge Leser in die faszinierende Welt dieses facettenreichen Kontinents. So kann ich sie nicht nur früh für seine Schönheit und Komplexität begeistern, sondern auch tatsächliche Gegebenheiten vermitteln …